FührungskräfteRatgeber

Wahrnehmung spielt in meinem Beruf eine entscheidende Rolle. Wodurch entstehen Konflikte im Alltag und Berufsleben, wenn nicht durch eine unterschiedliche Wahrnehmung der Dinge. Wie wir die Welt wahrnehmen, so deuten wir sie und passen unsere Handlungen entsprechend an. Grundlegendes Wissen über unsere Wahrnehmung kann uns nicht nur helfen empathischer zu reagieren, sondern auch Kunden und Mitarbeiter besser zu verstehen.

Egal ob Sie also als Verkäufer, Trainer oder Führungskraft arbeiten – die folgenden Informationen können sehr wertvoll für die erfolgreiche Ausübung Ihrer Tätigkeit sein.

So sagte auch schon der Automobil-Pionier Henry Ford: „Wenn es ein Geheimnis des Erfolges gibt, so ist es das: Den Standpunkt des anderen verstehen und die Dinge mit seinen Augen zu betrachten.“

Wahrnehmung ist Empfinden

Ohne zu wissenschaftlich zu werden, ist die offensichtlichste Annäherung an unsere Wahrnehmung, die die unser Empfinden in den Mittelpunkt stellt. Über Sinnesorgane oder Rezeptoren stehen uns fünf Möglichkeiten zur Verfügung Signale aufzunehmen und zu verarbeiten:
Visuelle Reize über unsere Augen, akustische Reize über unsere Ohren, gustatorische Reize über unseren Geschmackssinn, olfaktorische Reize über unseren Geruchssinn und taktile Reize, die wir mittels unserer Haut, dem größten Sinnesorgan wahrnehmen können. Diese Einführung und Konkretisierung der Sinneswahrnehmungen helfen uns, verschiedene Möglichkeiten oder Kanäle der Wahrnehmung zu unterscheiden.

Welcher Wahrnehmungstyp sind Sie?

Nicht ohne Grund sind wir Menschen grundverschiedenen in allen möglichen Bereichen, grundlegend ist hierfür unter anderem unsere Wahrnehmung verantwortlich. Um uns und unsere Mitmenschen besser zu verstehen, kann es hilfreich sein, die verschiedenen Arten der Wahrnehmung zu kennen und erkennen zu können. Die eingehend erwähnten Missverständnisse in der Kommunikation entstehen unter anderem durch die Bevorzugung unterschiedlicher Sinneskanäle. Um erfolgreich zu kommunizieren, zum Beispiel in Form einer Werbebotschaft, müssen für unterschiedliche Kunden auch unterschiedliche Kanäle bedient werden. Aber auch im persönlichen Umgang kann das Wissen, wie eine andere Person am besten adressiert wird, helfen, einen besseren Kontakt und somit eine bessere Beziehung aufzubauen. Auch Missverständnisse können so minimiert werden.

Das VAKOG-System als Schlüssel zur Wahrnehmung

Eine Möglichkeit sich Wahrnehmungstypen schnell einzuprägen ist das VAKOG-System. Dieses wird vor allem im NLP gerne genutzt. Den fünf Sinneskanälen werden dabei entsprechende Typen zugeteilt. Die folgenden Buchstaben stehen im VAKOG System für:

  • Visuell = Sehen
  • Auditiv = Hören
  • Kinästhetisch = Berühren/Fühlen
  • Olfaktorisch = Geruch
  • Gustatorisch = Geschmack

Nach dem NLP-Modell nutzen Menschen diese fünf Sinneskanäle mit unterschiedlicher Gewichtung. Zum Beispiel gibt es visuelle Typen, die sehr viel Wert auf das legen, was sie sehen können und schon gesehen haben, entsprechend nutzen sie nur wenige Informationen auf den anderen Kanälen. Wir erleben die Welt durch unsere Sinnesorgane. Der äußere Reiz, z.B. ein Sonnenstrahl oder die Stimme eines Freundes, werden über unser Nervensystem durch elektrische oder chemische Signale in unser Gehirn weitergeleitet. Dort entstehen dann Bilder, Klänge und andere Empfindungen.
Wenn Kommunikatoren mit unterschiedlich dominanten Wahrnehmungssystemen aufeinandertreffen, kann es zu großen Missverständnissen kommen. Wie kann man sich hier am besten auf sein Gegenüber einstellen? Das bevorzugte oder aktuelle dominante Repräsentationssystem des Gegenübers kann erkannt werden. Wichtig hierbei sind vor allem Signalwörter oder körperliche Hinweise, wie z.B. die Sprechgeschwindigkeit oder die Atmung.

Über sprachlichen Zugang ein Repräsentationssystem erkennen

Sprachliche Zugangshinweise, zu welches System das Gegenüber bevorzugt benutzt, geben besonders die Verben, Substantive und Adverbien, die hauptsächlich verwendet werden. Das VAKOG-System aus dem NLP geht davon aus, dass solche Vorlieben für bestimmte Ausdrücke, die mit Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken zu tun haben, auf ein bevorzugtes System hindeuten.
Hier werden die fünf möglichen Typen vorgestellt, indem über typische Ausdrücke ein Gefühl dafür gewonnen werden kann, wie dominante System sprachlich äußern. Anschließend werden typische Ausdrücke und Redewendungen aufgelistet. Sicherlich kennen Sie noch viele mehr und können diese gedanklich oder auch schriftlich ergänzen.

Visuelle Wahrnehmungstypen:

Visuell orientierte Menschen klingen so:

  • Ich muss noch mehr sehen, bevor ich eine Entscheidung treffen kann
  • Ich sehe schon etwas klarer, aber ich will mir noch einige Ihrer Angebote genauer anschauen.
  • Ich kann mir das nicht länger mit ansehen.
  • Die Welt ist nicht nur schwarz und weiß.

Visuelle Ausdrücke: Sehen, schauen, blicken, beobachten, gucken, leuchten, scheinen, sichtbar, überschaubar, scheinbar, hell, dunkel, Überblick, Durchblick haben, Klarheit gewinnen, Klärung verlangen, verklärt blicken, abgeklärt sein, unübersehbar, nachsichtig sein, vorsichtig sein, vorausschauend sein, Überblicksweise, Ausstrahlung haben, Einblicke gewähren, eine gute Beobachtungsgabe besitzen…

Auditive Wahrnehmungstypen:

Auditive Menschen klingen oft so:

  • Erzählen Sie mir mehr über Ihr Produkt, ich habe schon viel Gutes darüber gehört.
  • Ich glaube, Sie verstehen meinen Punkt nicht. Darum werde ich nun deutlicher sein und mir Gehör verschaffen, damit man mir endlich zuhört.
  • Das schreit doch geradezu nach einer neuen Lösung.
  • Ich kann das nicht mehr hören.

Auditive Ausdrücke: Laut, leise, taub auf den Ohren sein, Radau, musikalisch, unüberhörbar, hämmernd, schrill, piepsig, dunkel, Bohnen in den Ohren haben, er ist nicht auf den Mund gefallen, sie gehorcht aufs Wort, eine Stecknadel fallen hören, im Einklang sein, rauschende Ballnacht, seine Ruhe haben, in Ruhe lassen, die Engel singen hören, Süßholz raspeln, wie ein Huhn gackern, es hat Klick gemacht, das Gras wachsen hören, die Stille aushalten, stumm wie ein Fisch…

Kinästhetische Wahrnehmungstypen:

Kinästhetisch orientierte Menschen klingen so:

  • Die Angelegenheit hat sich von selbst wieder eingerenkt.
  • Sie ist kalt wie ein Fisch.
  • Wenn ich das höre, zieht sich bei mir alles zusammen.
  • Die Verantwortung lastet auf mir.
  • Bei der Vorstellung läuft es mir kalt den Rücken herunter.

Kinästhetische Ausdrücke: Die Galle kommt hoch, Eisfüße haben, im siebten Himmel schweben, auf den Boden fallen, in ein Loch fallen, sich fallen lassen, mit beiden Füßen auf dem Boden stehen, sich geborgen fühlen, mir läuft eine Gänsehaut über den Rücken, ich fühle mich beschwingt, meine Füße sind eingeschlafen, mir schlägt das Herz bis zum Hals, das Blut stockt mir in den Adern, mir zieht sich der Magen zusammen, mir wird schwindlig, mir sausen die Ohren, mir kribbelt es in den Händen, mir bricht der Schweiß aus, mir schlottern die Glieder…

Olfaktorische Wahrnehmungstypen:

Olfaktorisch orientierte Menschen klingen so:

  • Es riecht nach Ärger.
  • Ich geb‘ Dir ein’s auf die Nase!
  • Ich kann dich gut riechen.
  • Steck deine Nase nicht überall herein.

Olfaktorische Ausdrücke: Die Nase rümpfen, der Duft der großen weiten Welt, verschnupft sein, eine Nase dafür haben, einen guten Riecher haben, immer der Nase nach, auf die Nase fallen, Tür vor der Nase zuschlagen, eine anrüchige Person, geruchlos, müffeln, eine lange Nase zeigen, Nasenbär, naseweise sin, schnuppern, rauchig, schnüffeln, betäubend, betörend, duften, stinken, blumig, faulig, feucht, moosig, holzig, muffig, penetrant, verbrannt, rosig, parfümiert, es stinkt mir.

Geschmacksorientierte Wahrnehmungstypen klingen so:

  • Ich habe die Schnauze voll.
  • Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben.
  • Das Wasser läuft mir im Munde zusammen.
  • Mit trockener Kehle arbeitet es sich nicht leicht.

Gustatorische Ausdrücke: Saftig, lutschen, fettig, sabbern, schlabbern, schlürfen, schmatzen, schlecken, trocken, mild, köstlich, kosten, probieren, verbrannt, nussig, ölig, würzig, vollmundig, rauchig, süffig, herb, lieblich, sahnig, knackig, auf die Schnauze hauen, dicke Lippe riskieren, ein Lecker-Schmecker sein, schlemmen, schmarotzen, bitter, cremig, Fastfood, heiß, kalt, lau, süß, sauer, salzig, lecker, schmecken, scharf, geschmacklos, zum Fressen gern haben.

Eine Achtsamkeitsübung für Ihren Alltag: Schauen und hören Sie sich einmal um, welche Typen Ihnen begegnen und welche Formulierungen Ihnen noch zu Ohren kommen. Bald werden Sie einen guten Riecher für diese Sprache entwickelt haben.

Weitere Ebenen von Repräsentationssystemen

Nicht nur auf sprachlicher Ebene können wir wahrnehmen, welche Art von Sinneseindrücken unser Gegenüber bevorzugt wahrnimmt. Als kleinen Ausblick gebe ich zum Ende dieses Eintrags noch einen kurzen Überblick über weitere Möglichkeiten:

  • Augenbewegung: Bewegungen der Augen, meist nur kurz und unbewusst, geben Aufschluss darüber, aus welchem System gerade Informationen abgerufen werden.
  • Nonverbale Informationen: Hierzu zählen vor allem die Atmung und Sprechgeschwindigkeit unseres Gegenübers, aber auch noch weitere kleine Indizien können helfen, ein umfassendes Gesamtbild zu gewinnen.

Unsere Wahrnehmung bestimmt, wie wir die Welt empfinden. Mit dem Wissen über das Wahrnehmungssystem Ihres Gegenübers können Sie nun gezielter auf Ihre Mitmenschen reagieren. Das erfordert vor allem Achtsamkeit, die wir an anderer Stelle gesondert thematisieren werden. Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei der achtsamen Wahrnehmung Ihrer Mitmenschen und deren Wahrnehmung der Welt.

Ihre Sabine Wehrhahn