Ratgeber

Work-Life-Balance war gestern! In der heutigen Zeit rücken Privatleben und berufliches Socializing näher zusammen und auch die ursprüngliche Work-Life-Balance wird eher zum Integrationsprojekt. Ist die Waage zwischen Arbeit und Freizeit ein Irrtum?

Wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben geht, streben immer mehr Arbeitskräfte die sogenannte Work-Life-Balance an. Gemeint ist ein harmonisches Gleichgewicht beider Pole, die sich somit gegenseitig befruchten sollen. Was in der Theorie ziemlich gut klingt, erweist sich in der Praxis häufig als sehr kompliziert. Nicht selten steht die Work-Life-Balance auch in der Kritik. Der (allgemein formulierte) Grund hierfür: Arbeit und (Privat-)Leben können mittlerweile nicht mehr klar voneinander getrennt werden. Immer mehr Menschen sprechen sich daher für die Work-Life-Integration aus.

Die Jagd nach der perfekten Dosis

Arbeit und Privatleben sind in Einklang zu bringen, das rezitieren Psychologen, Mentaltrainer und Karriereberater landauf landab. Meiner Meinung nach hält dieses Konzept der Praxis schon lange nicht mehr stand. Die Work-Life-Balance gehört im 21. Jahrhundert mittlerweile zum Standardrepertoire bei jedem Arbeitgeber und beschreibt ein Ideal. Ein Zustand in welchem Arbeit und Privatleben in Einklang miteinander stehen. Doch das Konzept funktioniert, wenn überhaupt, nur für die wenigsten. Das liegt auch am Bild, welches die Work-Life-Balance suggeriert. Demnach wird das eigentliche Leben der Arbeit gegenübergestellt, so als wäre «Life» der angenehme und «Work» der mühsame Teil des Lebens – dies ist schlicht falsch. Die Suche nach der Work-Life-Balance hat sich längst zum Volkssport entwickelt.

Von der Waage zur Einheit: Aus Balance wird Integration

Fakt ist, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen. Im 21. Jahrhundert arbeiten wir im Home Office und sind dank Smartphone permanent erreichbar. Die Cloud ermöglicht es uns, auch nach Feierabend noch zu arbeiten. Wer selbstständig ist, kennt häufig sowieso keinen Unterschied zwischen Berufs- und Privatleben. Ob diese Entwicklung begrüßenswert oder eher bedenklich ist, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Es geht vielmehr darum, darauf hinzuweisen, dass der aktuelle Trend nach diversen Maßnahmen verlangt. Wenn die Bereiche Work und Life nicht mehr getrennt betrachtet werden können, gilt es, die Integration zu fördern.

Was die Work-Life-Integration von der Work-Life-Balance unterscheidet, wird am deutlichsten, wenn die beiden Begriffe einmal aufgeschlüsselt betrachtet werden:
Balance möchte als Ziel den ultimativen Ausgleich finden. Es gilt beide Bereiche – also Work und Life – getrennt voneinander zu betrachten. Das Prinzip kann sehr gut verdeutlicht werden, indem man sich eine altmodische Waage mit zwei Gewichten vorstellt. Im besten Fall sind die Waagschalen von Arbeit und Leben perfekt austariert.
Integration wiederum geht nicht von zwei getrennten Bereichen aus, sondern sucht nach Lösungen, wie beides noch besser miteinander vereinbart werden kann. Die Philosophie ist, dass nur derjenige, der eine für ihn sinnvolle Arbeit leistet, auch privat erfüllt ist, wie auch überhaupt erst eine erfüllende Arbeit oder Aufgabe zu privater Zufriedenheit führen kann. Das Ziel ist hier der Weg für den Menschen kluge Lösungen aus Zeit- und Selbstmanagement zu finden, um die eigene Arbeit und Arbeitsweise, wie auch private Anforderungen miteinander zu kombinieren.

Work-Life-Blending: Arbeits- und Privatleben verschmelzen

Was ich immer öfter beobachten kann ist, dass Arbeitnehmer zunehmend auch am Wochenende
oder im Urlaub ihre E-Mails checken, für Kunden zur Verfügung stehen oder ihre Arbeit mit nach Hause nehmen. Moderne Technik und flexible Arbeitszeitmodelle machen es möglich von überall zu arbeiten. Damit verschmelzen die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben zusehends. Das Phänomen nennt sich Work-Life-Blending. Statt nach einem ausgeglichenen Verhältnis von Arbeit auf der einen und Freizeit auf der anderen Seite zu suchen, geht es nun um eine Verschmelzung.

Das neue Ziel: Ein fließender Übergang von Arbeits- und Privatleben. Es entsteht eine Work-Work-Balance, Arbeit und Privatleben sind in beiden Lebensbereichen untergekommen und müssen nun so austariert werden, dass sie koexistieren können.

Vor einigen Jahren redeten wir noch verächtlich vom Workaholic. Von Menschen, die so fokussiert auf ihre Arbeitsziele sind, dass sie ohne Arbeit nicht leben können. Deren einzige Erfüllung und Bestätigung in der Karriere oder in Unternehmenserfolgen liegt und das Privatleben geringer priorisiert wurde. So wurden sie betrachtet. Der Leistungswillige stand plötzlich auf Augenhöhe mit den Alkoholikern und Drogensüchtigen. Für diesen Typus waren Arbeit und Leben Konkurrenten, die es gegeneinander abzuwiegen galt, nur eines von beiden konnte permanent existieren. Wohlgemerkt – auch heute gibt es diese Menschen noch.

Keine Trennkost mehr, auch in der Lebensplanung

Unser Arbeitsleben wandelt sich. Das Konzept des workaholics ist überholt. Visionen und Leidenschaft sind an seine Stelle getreten. Ein alternatives Modell ist das sogenannte Work-Life-Blending – ein Konzept das viel mehr in die heutige digitale Lebenswelt passt. Im Gegensatz zur strikten Trennung von «Work» und «Life», wie es die Work-Life-Balance suggeriert, verschmelzen beim Work-Life-Blending Beruf- und Privatleben. Dieses Vermischen räumt zum Beispiel Mitarbeitern mehr Flexibilität ein. Privatangelegenheiten lassen sich so auch während der Arbeitszeit erledigen, zum Beispiel schwer terminierbare Arztbesuche. Während Kreativ- und Hochphasen nach dem regulären Feierabend noch genutzt werden können, um eine Präsentation fertigzustellen. Dieses Konzept verlangt im Gegenzug ein strenges Maß an Selbstdisziplin, damit Arbeit und Freizeit nicht gegenseitig zur Versuchung werden.

Sicherlich habe einige von Ihnen schon mehrere Minuten (oder gar Stunden) während der Arbeitszeit auf Facebook, Instagram und Co. verbracht und mit schlechtem Gewissen gehofft, dass der Chef nichts mitbekommt. Auf der anderen Seite kennen Sie sicher auch die schuldbewussten Blicke, die wir unseren Partnern zuwerfen, ehe wir das berufliche Email-Postfach während des Familienurlaubs aufrufen. Von welcher Seite man es auch betrachtet – die zunehmende Verschmelzung von Arbeit und Privatleben sorgt in vielen Fällen für Schuldgefühle. Die Work-Life-Integration sieht vor, diese Gefühle zu beseitigen. Wer nach diesem Prinzip lebt und arbeitet, findet es vollkommen okay, Privates während der Arbeitszeit und Berufliches während der Freizeit zu erledigen. Dies zu akzeptieren ist der erste Schritt hin zu gelebter Integration.

Wenn Arbeit und Privatleben in der Praxis integriert werden, spricht nichts dagegen, das Büro beizeiten auch einmal früher zu verlassen und die dadurch gewonnene Zeit für private Angelegenheiten zu nutzen. Im Gegenzug verlang dieses Modell jedoch auch bereit zu sein, nach dem regulären Feierabend manchmal noch beruflich tätig zu sein. Das übergreifende Ziel ist ein sehr ökonomisches und doch wertvolles:
Die Effizienzoptimierung. 24 wertvolle Stunden jedes Tages können in der Theorie besser genutzt werden.

Ziele der Integration: Ein Plädoyer einer Trainerin für Life-Coaching

Aufbauend auf meinen bisherigen Ausführungen glaube ich, dass eine integrative Kombination zweier wichtiger Säulen unseres Lebens dazu führt, dass wir unsere Zeit effektiver nutzen können. Insgesamt weniger Stress haben und somit gesellschaftlich die Anzahl an psychischen Erkrankungen und Burn-Out minimieren können.
Die integrative Kombination von Arbeit und Freizeit mindert Schuldgefühle für allzu menschliche Tätigkeiten am Arbeitsplatz und sorgt für mehr Kreativität und Engagement für die beruflichen Ziele. Insgesamt kann jeder dadurch gesünder und glücklicher leben und mehr Freude am Arbeiten haben. Ich sehe gute Chancen dafür, dass eine größere Erfüllung im Beruf gefunden wird und positiver darüber gesprochen werden kann. Was auch auf Firma und Arbeitgeber positive Auswirkung hat . Langfristige Motivation und Leistungsbereitschaft kann so bei vielen Mitarbeitern wiederhergestellt werden.

Drei Tipps gegen die Balance aus Zwang

Bis die gelebte Integration in alle Arbeitsbereiche Einzug gehalten hat, gebe ich Ihnen drei wichtige Tipps mit auf Ihren Weg, mit denen Sie der unsinnigen Balance die Stirn bieten können, um für sich das meiste aus Ihrem Leben zu machen.

  • Zeitmanagement als Basis: Das Zeitmanagement bildet die Basis für alles, was man tut. Nur wer sich Zeit für bestimmte Dinge reserviert, egal ob beruflich oder privat, schafft die Balance zumindest einigermaßen zu halten. Als Trainerin lernen Sie bei mir weiterhin die notwendigen Techniken hierfür und nicht, wie Sie Freizeit und Arbeit besser vermischen können.
  • Achtsamkeit für die eigenen Bedürfnisse entwickeln: Oft lässt man sich selbst unnötig aus dem Gleichgewicht bringen, indem man irgendwelchen Personen aus dem eigenen Umfeld nacheifert. Halt! Geben Sie sich die Chance durchzuatmen und sich zu sammeln, um sich zu fragen, ob dieses Leben Ihnen überhaupt steht. Dabei gilt es in sich hineinzuhören, seine wahren Wünsche und Absichten herauszukehren und sie offen zu kommunizieren.
  • Ungleichgewichte gehören dazu: Anstatt krampfhaft die Balance zu halten, ist es weit stressfreier mit dem Bewusstsein das Leben zu bestreiten, dass es Zeiten gibt, in denen man im Gleichgewicht ist und Zeiten, in denen es nicht klappt. Alles geht vorbei und es kommt immer wieder eine Gelegenheit, die Dinge ins Lot zu rücken.

Für uns alle gilt: Nur wer seinen Beruf liebt, kann in ihm Erfüllung finden und etwas Außergewöhnliches schaffen. Mit dieser Einstellung ist Arbeit niemals eine Belastung, sondern ein wichtiger Bereich des eigenen Lebens. Nur wenn wir Arbeit als normalen Teil unseres Lebens begreifen und zusammen mit allen anderen Bereichen im Blick haben, können wir eine echte, individuell passende Ausgeglichenheit erreichen und bewahren. Work-Life-Balance bedeutet eben nicht, dass alle Bereiche gleich stark ausgeprägt sind oder gleich viel Aufmerksamkeit erhalten. Es bedeutet jedoch, dass die Verteilung der Aufmerksamkeit und Energie von uns ganz bewusst nach unseren Wünschen gestaltet wird.

Egal in welche Bereiche Sie Ihr Leben unterteilen, wichtig bleibt, dass Sie Ihre Zeit genießen können. Gerne unterstütze ich Sie hierbei,

Ihre Sabine Wehrhahn