KommunikationErwartungen richtig kommunizieren

Erwartungen, ein großes und sicherlich auch wichtiges Thema, doch was haben sie mit Kommunikation zu tun? Inwiefern kann es uns helfen, wenn wir unsere Erwartungen besser einschätzen?

Diese Frage scheint zunächst gerechtfertigt, doch denken wir einmal darüber nach, dann gehen wir in jede kommunikative Situation mit – bewussten und unbewussten –  Erwartungen.

Kommunikative Situationen und Gespräche sollen Gegebenheiten ändern, Situationen auflösen oder Dinge vermitteln, in jedem Fall ist ein intendiertes Verhalten fast immer gegeben und somit auch eine klare Erwartungshaltung: Eine Kommunikationssituation soll im besten Falle einen wünschenswerten Ausgang haben.

Das ist notwendig und vorher festgelegte Erwartungen helfen, Situationen vorzubereiten und Ereignissen einzuordnen, ebenso können sie jedoch auch schnell zu Problemen führen…

Aus eigener Erfahrung kennt fast jeder Mensch die Situation, dass er nach einer Gesprächssituation ein Gefühl der Enttäuschung verspürt, hier wurde offensichtlich, wenn auch vielleicht nur unbewusst, eine Erwartung nicht erfüllt.

Da das Gegenüber diese vermutlich nicht kannte, konnte es gar nicht anders reagieren, als uns zu enttäuschen. Dieses Phänomen erleben wir im privaten, wie auch im geschäftlichen Bereich. Viel Aufregung, ein schlechtes Image und Ärger könnten vermieden werden, wenn wir uns auf die Seite derer begeben, die kommunikativ versuchen zuzuhören und im Gespräch vorherrschende Erwartungen zu erfahren.

Erwartungen bewusst machen

Nur wer sich seinen Erwartungen überhaupt bewusst wird, kann auch mit ihnen umgehen und sie einfordern.

Mögliche Fragen, die man sich selbst stellen kann, um dieser gewahr zu werden, sind:

  • Was möchte ich mit diesem Projekt/dieser Besprechung erreichen?
  • Worauf lege ich bei diesem Thema besonderen Wert?
  • Was erhoffe ich mir von meinem Gesprächspartner/ meiner Gesprächspartnerin?
  • Welche Erwartungen hat mein Gegenüber möglicherweise an mich?
  • Was wäre ein gutes Ergebnis für diese Situation?

Die Fragen müssen nicht alle direkt mit offensichtlichen Erwartungen zu tun haben, jedoch können sie helfen, sich langsam an eine Situation heranzutasten. So können Aspekte bewusst werden, die bei einer direkten Annäherung nicht deutlich geworden wären.

Erwartung oder Hoffnung? Eine kluge Erwartungshaltung entwickeln

Um Enttäuschungen und Konflikte zu vermeiden, ist es fast unvermeidlich Erwartungen klar zu kommunizieren. Das Gegenüber kann sonst nur raten und einen Glückstreffer landen. Bei zwei Gesprächsparteien mit einer eigenen Agenda und individuellen Erwartungshaltungen wäre es ein absoluter Glückstreffer, wenn beide Seiten den Gesprächsausgang bekommen, den sie sich erhofft haben.

Es gilt also fast immer die eigenen Erwartungen klar und eindeutig zu kommunizieren. Wichtig ist jedoch sich bewusst zu machen, was man erwarten kann und darf und was ausschließlich Hoffnung bleiben sollte: Hoffnungen können nur erfüllt werden, wenn alle Umstände ideal sind und der Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin die eigene Position unbedingt unterstützt. Erwartungen sind dagegen oftmals realistischer und lassen sich tatsächlich auch ohne perfekte Bedingungen erfüllen.

Wichtig ist neben dem Bewusstmachen der eigenen Erwartungen auch das Nachfragen beim Gegenüber. In der Geschäftswelt ist es in der Zeit von Online-Kommunikation und dem Rückkanal, den digitale Netzwerkmedien bieten, fast unabdingbar, dass ein Unternehmen aufmerksam auf Feedback und Kommentare von Kunden eingeht und geäußerte Erwartungen ernst nimmt. So kann auch klar kommuniziert werden, warum manche Erwartungen nicht erfüllbar sind und was stattdessen getan werden kann und wird. Das Ziel ist immer die Reduzierung von Enttäuschung, welche sich sonst in Unmut äußert, der oftmals unliebsame Wellen schlagen kann.

Erwartungen klar kommunizieren: Warum implizite Kommunikation (fast) immer der schlechtere Weg ist

Im privaten, wie auch in der Führungsrolle tun sich einige schwer damit, Anliegen und Wünsche klar zu äußern. Erwartungen werden in Aussagen versteckt, jedoch kann das gegenüber sie nur erahnen, wenn es besonders feinfühlig und aufmerksam ist. Andere Gesprächspartner/innen erkennen die Aufforderung jedoch erst gar nicht.

In vielen Kulturen Asiens ist die indirekte, verschlüsselte Form der Äußerung normal und gehört zum kulturellen Umgang und der Höflichkeit. Das eigentliche Anliegen wird nicht explizit geäußert, sondern muss aus dem Zusammenhang erschlossen werden. Man nennt dies auch implizite Kommunikation. Das funktioniert jedoch nur dann gut, wenn die Gesprächspartner/innen geübt und gewillt sind, das Gemeinte zu entschlüsseln. Davon können Sie im Berufsleben – und auch sonst – nicht immer ausgehen.

Implizite Kommunikation kann tatsächlich risikoreicher sein, als manchmal angenommen wird. Erwartungen, die nur angedeutet oder versteckt formuliert werden, können leicht überhört und ignoriert werden. Das kann absichtlich geschehen, wenn das Gegenüber keine Lust hat, oder auch versehentlich, weil das Gegenüber nicht in der Lage ist, indirekte Kommunikation zu verstehen und zu entschlüsseln. Wenn Sie Erwartungen und Forderungen versteckt, also eher implizit formulieren, entstehen für Sie eine Vielzahl unerwünschter Risiken. Das Gegenüber muss ihren Wunsch decodieren und sie überlassen es anderen entsprechend auf ihre Wünsche zu reagieren oder dies zu unterlassen. Ihre Erwartungen werden höchstwahrscheinlich gar nicht oder nur in anderer Form erfüllt, als gewünscht. Frustration und Aggressionspotential potenzieren sich und belasten Beziehungen, was zu heftigen Konflikten oder dem Auseinanderdriften führen kann.

Empfehlungen für eine effektive und explizite Kommunikation

  • Drücken Sie in Worten direkt, das heißt explizit, aus, was Sie wollen bzw. nicht wollen oder erwarten, damit Ihr Gegenüber nicht erahnen muss, worum es Ihnen geht.
  • Formulieren Sie Arbeitsaufträge klar: „Herr Meier, bitte sortieren Sie die Präparate, die heute geliefert wurden, bis heute Mittag. Achten Sie dabei darauf, dass…“
  • Wenn Sie Wünsche und Forderungen direkt formulieren, kann sich Ihr Gegenüber dazu auch direkt verhalten. Dies kann unter Umständen auch eine Absage beinhalten. Dies ist oftmals eine gute Chance beidseitige Erwartungshaltungen zu diskutieren und zu einem Kompromiss zu führen.
  • Explizite Kommunikation ist nicht unhöflich, im entscheidenden Maße ist hierfür Tonfall und Körpersprache verantwortlich. Ein offener, klar formulierter Appell mit respektvoller Haltung und freundlichem Ton vorgetragen, wird als höflicher wahrgenommen, als ein versteckter Appell in gereizter Form.

Ich wünsche Ihnen viel kommunikativen Erfolg und stehe Ihnen als Sparringspartnerin oder Mediatorin gerne zur Seite, wenn Sie sich Ihre eigenen Erwartungen bewusst machen möchten oder lernen wollen, klarer und ergebnisorientierter zu kommunizieren.

Ihre
Sabine Wehrhahn